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Flammschutzmittel für Fiberoptikkabel
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Print viewPressemitteilung 2005

Flammschutzmittel in Mantelmaterialien für Fiberoptikkabel

A. Peterhans • HUBER+SUHNER AG • CH-9100 Herisau

Fiberoptikkabel sind im Brandfall nicht nur mengenmässig relevant, indem sie zur Brandlast beitragen, sondern sie haben je nach Einsatzzweck auch Aufgaben zu erfüllen, vondenen Menschenleben abhängen können. Von der Gesetzes- und Normierungsseite her wird versucht, Kriterien und Beurteilungsmethoden zu definieren, mit denen die Eigenschaften von Produkten wie Kabel für den späteren Einsatz beschrieben werden.Diesen Anforderungen muss man von der konstruktiven wie auch von der materialtechnischen Seite her gerecht werden. Wie sich die heutigen Lösungen materialtechnisch auszeichnen und unterscheiden, soll im Folgenden aufgezeigt werden.

Bedeutung des Begriffes Brandverhalten
Das Brandverhalten eines Kabels ist eine Eigenschaft mit verschiedenen Aspekten.Darunter fallen unter anderen folgende Stichworte:

Brandfortleitung
ein Beitrag zum Schadensausmass insgesamt. Aufgrund der Tatsache, dass (Fiberoptik-) Kabel häufig in Bereichen installiert sind, welche verschiedene Gebäudeteile und Etagenverbinden, bzw. an schwer zugängigen Orten wie Zwischenböden oder in Rohr- und Kabelanlagen, kommt ihnen im Zusammenhang mit Brandfortleitung besondere Bedeutung zu. Doch unter Brandverhalten gibt es noch einiges mehr zu berücksichtigen:

Indirekte Gefährdung von Personen
Wurde schon viel zitiert. Es handelt sich um die Bildung von Rauch (Sichtbehinderung) wie auch die Bildung von giftigen Produkten (Atemgifte), welche sich ebenfalls in der betroffenen Raumluft wieder finden. Diese als Resultat der chemischen und physikalischen Vorgänge im Brandfall entstehenden gasförmigen Produkte, basieren einerseits auf der Zusammensetzung des für den Kabelmantel verwendeten Kunststoffes (mit Additiven), werden daneben aber auch durch die am Brandherd herrschenden Rahmenbedingungen beeinflusst. So haben Brandtemperatur und Sauerstoffgehalt in der näheren Umgebung einen direkten Einfluss auf das Geschehen.

Brandlast
Unter Brandlast versteht man die Verbrennungswärme eines verlegten Kabels. Sie stellt die maximal freiwerdende Energie dar, wenn das Kabel verbrennt. Die Angabe der Brandlast ist ein absoluter Wert, sie erfolgt meist in MJ/m. Wird der zulässige Wert überschritten, so müssen Massnahmen zur Reduktion ergriffen werden.

Funktionserhalt
Der Begriff Funktionserhalt bezieht sich auf die Ausfallsicherheit der Übertragung von Daten (im Falle von Kupferkabeln auch Leistung) über die Kabel. Aus diesen verschiedenen Aspekten definiert sich auch das Anforderungsprofil an die Flammschutzmittel (Zusätze mit der Aufgabe, das Brandverhalten des Werkstoffes zu verändern). Dazu kommen noch weitere Kriterien, welche die Verarbeitung der Mantelmaterialien betreffen, welche Flammschutzmittel enthalten.

Brandverhalten von Kunststoffen
Im chemischen Aufbau der Kunststoffe begründet liegen zu einem grossen Teil die „Gene“ für deren Eigenschaften. Davon nicht ausgenommen ist die Brennbarkeit der Kunststoffe. So kann die Zusammensetzung der Molekülstruktur des Kunststoffes bereits ein Material definieren, welches schwerentflammbar ist oder im anderen Extremfall ein kerzenähnliches Brandverhalten besitzt (wie im Fall von Polyolefinen wie Polyethylen und –propylen und anderen Thermoplasten, die üblicherweise für Kabelummantelungen eingesetzt werden). Die Molekülstruktur hat auch einen direkten Einfluss auf die Art der im Brandfall entstehenden chemischen Abprodukte. Nicht unerwähnt bleiben dürfen Additive, welche das Brandverhalten negativ beeinflussen können. Im Fall von PVC können sich ausdampfende Weichmacher (Gehalte im Kunststoff bis >50%) entzünden und brandbeschleunigend wirken. Viele PVC-Typen sind auch mit Bleiverbindungen stabilisiert. Diese bleihaltigen Bestandteile werden beim Verbrennen auch umgewandelt und als Brandgase freigesetzt. Neuere PVC-Entwicklungen mit Stabilisationssystemen, basierend auf Kalzium/Zink, sind davon nicht mehr betroffen.

Welches sind die Anforderungen an ein Flammschutzmittel?
Je nach Gewichtung der Anforderungen an die Produkte wird einer oder mehrere Aspekte des Brandverhaltens als wichtig erachtet. Dabei sollten aber die ungenannten Kriterien auf keinen Fall nachteilig beeinflusst werden. So kann das Argument einer ausgeprägten Flammwidrigkeit (keine oder geringe Brandfortleitung) auf der Seite der Bildung von Rauch und giftigen Brandgasen fatale Folgen haben. Nicht weniger nachteilig können Kompromisse auf der Seite der Umweltverträglichkeit von gewissen Chemikalien sein, wie dies in neueren EU-Richtlinien gefordert wird (z.B. 2002/95/EC oder 2002/45/EC). Von technischer Seite sind die Anforderungen an Flammschutzmittel für Fiberoptik- und Kupferkabel teilweise unterschiedlich. So macht ein Isolationserhalt primär bei Energieleitern und Datenleitungen aus Kupfer Sinn, während bei der Auswahl der Flammschutzmittel eine Korrosionsgefahr der Kupferleiter nur bei den entsprechenden Kabeln relevant ist. Die dielektrischen Werte müssen auch nicht berücksichtigt werden. Beim Einsatz der Flammschutzmittel gilt es, einen Kompromiss zwischen der gewünschten Flammschutzwirkung und einer möglichst geringen Verschlechterung der Werkstoffeigenschaften des Kunststoffes zu finden. Dies erfordert eine für jeden Kunststoff und Einsatzzweck spezifische Rezepturentwicklung. Flammschutzmittel müssen auch migrationsstabil sein, das heisst, die Verteilung im Kunststoff und die flammhemmende Wirkung dürfen sich während der Einsatzdauer der Kabel nicht signifikant ändern. Vermehrtes Augenmerk muss hier gegebenenfalls Alterungsprozessen geschenkt werden.

Funktionsweise von Flammschutzmitteln
Der Mechanismus eines (Kunststoff-) Brandes ist – neben dem eigentlichen Brandverlauf - ein eingehend untersuchtes Phänomen [3,4]. Das tiefere Verständnis der chemischen und physikalischen Vorgänge erlaubt ein gezieltes Eingreifen und Inhibitieren in den Prozess/Ablauf. Kennzeichnend für einen Brandverlauf sind folgende Teilschritte:

- Energieeinwirkung auf das brennbare Material

- Entstehung von brennbaren Gasen

- Nach Entzündung durch die Energiequelle eine exotherme
  (Energie freisetzende)   Reaktion der brennbaren Gase zusammen mit
  einem Oxidationsmittel (Sauerstoff, Luft)

- Wärmerückkopplung (thermisches Feedback) auf das
  brennbare Material

- Verstärkte Entstehung von brennbaren Gasen.

Diese phänologische Beschreibung und auch eine tiefergreifende chemische Analyse zeigen, dass es sich bei einem Brand um eine Kettenreaktion handelt, sprich um einen sich selbst erhaltenden Mechanismus. Am wichtigsten ist die Einflussnahme zu Beginn eines Brandes, bei der Brandentstehung. Hier sollten Kabel einerseits eine hohe Schwelle haben, bis sie überhaupt zu brennen beginnen. Wenn dies aber geschehen ist, dann sollte die Brandfortleitung, sprich die aktive Teilnahme an der räumlichen Ausbreitung des Feuers, sehr gering sein. Dies kann eine rasche Hitzeentwicklung und in der Folge starke Rauchbildung und strukturelle Schäden verzögern oder sogar verhindern und somit in der Anfangsphase eines Brandes die Rettungsarbeit erleichtern. Basierend auf diesen Erkenntnissen kann nun zur Inhibition des Brandmechanismus der Hebel angesetzt werden.

Unterbrechen der Reaktionskette
Ein Unterbrechen der sich selbst erhaltenden (Radikal-)Reaktion ist ein direkter Eingriff in den chemischen Grundmechanismus eines Brandes. Damit wird der für das Feuer lebenserhaltende Kreislauf unterbrochen. • Absorbieren der freiwerdenden Energie Die freiwerdende Energie, welche durch thermische Rückkopplung zum Brandherd zurückfliesst, wird entzogen und absorbiert. Dies ist gleichbedeutend mit einer Kühlung des Brandherdes.

Sauerstoffzufuhr unterbinden
Der für die Erhaltung des Brandes benötigte Sauerstoff aus der Luft wird durch Konvektion und Diffusion an den Ort des Geschehens transportiert. Diesen Vorgang kann man durch eine zusammenhängende Umhüllung auf dem Brandherd behindern. Realisiert wird dies einerseits durch die Bildung einer harten Schicht aus festen Rückständen des Verbrennungsvorganges, welche den Brandherd bedeckt. Andererseits kann man den Sauerstoff durch ein anderes gasförmiges Verbrennungsprodukt gezielt vom Brandherd verdrängen, bzw. verdünnen, z.B. durch Wasserdampf.

Flammschutzmittel
Die gängigen verwendeten Flammschutzmittel für Kabel können in folgende Gruppen unterteilt werden:

- Halogenhaltige Flammschutzmittel

- Anorganische Flammschutzmittel

- Nanofüllstoffe

- Expandierbarer Graphit

Halogenhaltige Flammschutzmittel
Flammschutzmittel, welche in den chemischen Mechanismus eingreifen, sind so genannte Radikalfänger. Sie haben die Aufgabe, die reaktiven Moleküle, welche den Brandverlauf weitertragen (H°, OH°), abzufangen und zu inaktivieren. Diese Eigenschaft besitzen Elemente der Gruppe Halogene sehr ausgeprägt. Kunststofftypen, welche Halogene im Grundgerüst der Moleküle beinhalten (intrinsisches Brandschutzmittel), besitzen diese flammhemmende Eigenschaft „von Natur aus“. Allerdings ist diese Eigenschaft aber nicht so stark, so dass nur Brandtests mit schwächeren Anforderungen bestanden werden können. Somit müssen auch halogenhaltige Kunststoffe mit zusätzlichen Flammschutzadditiven versehen werden, wenn höhere Brandanforderungen erfüllt werden sollen.
Kunststoffen, welche diese Halogene nicht im Grundgerüst beinhalten, kann man halogenhaltige Flammschutzmittel beimischen, um die Brennbarkeit herabzusetzen.Brom hat im Vergleich zu Chlor einen fast doppelt so grossen Effekt der flammhemmenden Wirkung. Somit kann die Zugabemenge entsprechend reduziert werden. Die in Flammschutzmitteln eingesetzten Vertreter der Elementgruppe der Halogene - Chlor, Brom und Fluor - sind seit geraumer Zeit nicht nur wegen ihres humantoxischen Aspektes unter Beschuss, sondern auch wegen der Bildung von Säure und anderer halogenhaltiger Giftstoffe bis hin zu Dioxinen. Diese Schadstoffe sind wohl nicht mobil, sprich verteilen sich, aber gebunden im Russ und den Überresten am Brandherd erfordern sie eine professionelle Reinigung und Entsorgung. Bromierte Flammschutzmittel sind persistente, organische Schadstoffe mit kanzerogenem und östrogen aktivem Potential. Die in den EU Direktiven erwähnten Penta- und OctaBDE reichern sich in der Nahrungskette an. Chlorierte Paraffine werden auch verstärkt untersucht, bzw. erste Einschränkungen für die Verwendung wurden schon ausgesprochen. [1]
Weitere Vertreter dieser Gruppe sind chlorierte Cyclopenta- und -octadiene. Der Vorteil halogenhaltiger Flammschutzmittel ist, dass sie einen sehr geringen Einfluss auf die mechanischen, thermischen und elektrischen Eigenschaften der Kunststoffe haben.

Anorganische Flammschutzmittel
Zu dieser Gruppe gehören die Vertreter der Hydroxide von Aluminium und Magnesium, aber auch Phosphor-, Zink- und Antimonverbindungen.

Hydroxide
Hydroxide finden heute in Kabelmaterialien Verwendung, die als Ersatzprodukte für PVCKabel auf dem Markt erschienen. Bedingt durch den hohen Füllgrad, der zwingend ist für eine ausreichend flammhemmende Wirkung, ergeben sich teilweise Einbussen bezüglich Verarbeitbarkeit und mechanischer Eigenschaften. So sind Kabel, welche mit Hydroxiden flammgeschützt sind, nicht geeignet für einen mobilen Einsatz, da sich das Abriebverhalten dieser Materialien im Vergleich mit ungefülltem Polymer verschlechtert. Die Abnahme der Zugfestigkeit wie sie in gleichem Zusammenhang auch beobachtet werden kann, fällt hingegen nicht so stark ins Gewicht. Auch kann sich die Medienbeständigkeit (z.B. Quellung bei Wasserlagerung) stark verändern. Hierzu allgemeine Aussagen zu machen ist aber schwierig, da die Vorbehandlung dieser Hydroxide verschieden sein kann. Eine Vorbehandlung (z.B. Beschichtung) ist notwendig, da sich die Polymermatrix und die Hydroxide aufgrund der Oberflächeneigenschaften nur ungern vermischen und sie somit zuerst kompatibel gemacht werden müssen. Das Wirkungsspektrum der Hydroxide umfasst die Freisetzung von chemisch gebundenem Wasser in Form von Wasserdampf, was einerseits den Brandherd durch die Energie aufnehmende Reaktion abkühlt,  andererseits durch die gebildete Wasserdampfatmosphäre die Zufuhr von Sauerstoff unterbindet. Dieser Effekt wird noch durch die Bildung einer harten Ascheschicht unterstützt. Diese Schicht schwächt im gleichen Zug durch Isolieren das thermische Feedback ab. Diese Schicht zeichnet sich nach Aktivierung typischerweise durch die Bildung einer weissen, brüchigen Kruste aus. Insbesondere bei Hydroxiden hat die Partikelgrösse der Flammschutzadditive auch einen Einfluss auf den flammhemmenden Effekt: Je feinteiliger ein Hydroxid vorliegt, desto schneller wird im Brandfall der Wasserdampf abgespalten und freigesetzt. Die beiden oben genannten Vertreter dieser Gruppe, Aluminium- und Magnesiumhydroxid, unterscheiden sich im Temperaturverhalten. So wird Aluminiumhydroxid bei ca. 200°C aktiviert. Wenn eine höhere Temperaturstabilität gefordert wird (z.B. beim Verarbeitungsprozess), findet häufig Magnesiumhydroxid Verwendung, das bis über 300°C stabil bleibt. Diese Temperaturen entsprechen der Aktivierungstemperatur der flammhemmenden Reaktion dieser Flammschutzmittel im Brandfall. Ein weiterer wichtiger Effekt der Hydroxide ist die Reduktion der Rauchbildung. Aus diesem Grund werden auch teilweise PVCMantelmaterialien mit (primär) Aluminiumhydroxid als Flammschutzmittel angeboten.

Phosphor
Phosphor wird in verschiedenen Formen als Flammschutzmittel eingesetzt. Durch dieses breite Spektrum findet Phosphor Anwendung in einer Vielzahl von Kunststoffprodukten: Neben Kabelmaterialien wird er auch in Kunststoffteilen der Elektrotechnik eingesetzt bis hin zu Schaumstoffen. Teilweise enthalten die Phosphorverbindungen neben Phosphor auch Chlor (TCEP, TCPP, TDCP), sind also halogenhaltig. Aufgrund der teilweise schon nachgewiesenen Reproduktionstoxizität sind hier Einschränkungen absehbar. Bei Phosphor in Form von halogenfreien Verbindungen wie TPP, TCP werden keine bis geringe Bedenken angemeldet. Phosphor wird aber auch in reiner Form (Roter Phosphor) als Flammschutzmittel eingesetzt. Die Wirkungsweise von Phosphor beruht einerseits auf dem Mechanismus eines Radikalfängers der die Reaktionskette unterbricht, andererseits bildet dieser Zusatz durch Polymerisation eine Ascheschicht, welche die Zufuhr von Sauerstoff unterbindet. In Kabeln kommt Phosphor primär in Form von halogenfreien Alkylphosphaten zum Einsatz. Vor allem den halogenfreien Varianten werden Wachstumschancen vorhergesagt.

Zinkverbindungen
Flammschutzmittel auf Basis von Zinkborat können auch für transparente Kunststoffe eingesetzt werden, ohne dass diese ihre optischen Eigenschaften einbüssen. Allerdings existieren Bedenken betreffend der Umweltverträglichkeit. Im Allgemeinen reduzieren Flammschutzmittel auf Basis von Zink die Rauchbildung, daneben wirken sie verkohlungsfördernd indem sie die Bildung einer glasartigen Ascheschicht unterstützen. Je nach Art der Zinkverbindung kann man sie als Synergist mit halogenhaltigen, bzw. Mit halogenfreien Flammschutzmitteln einsetzen.

Antimontrioxid (ATO)
Antimontrioxid wird normalerweise nicht als alleiniges Flammschutzmittel eingesetzt, sondern in Kombination mit einem halogenhaltigen. Aufgrund des chemischen Zusammenspiels kann man so von synergistischen Effekten profitieren, also von einer verstärkten Wirkung. In PVC, in dem Halogene in der Kunststoffstruktur vorhanden sind, erreicht man mit ATO allein diesen Synergieeffekt ebenfalls. Nachteilig macht sich bei ATO mit höherer Zugabemenge eine verstärkte Rauchbildung bemerkbar.

• Expandierbarer Graphit
Der Einsatz von expandierbarem Graphit hat sich trotz der Marktverfügbarkeit dieses Flammschutzmittels für Kabelanwendungen noch nicht durchgesetzt. Ein wichtiger Grund für die Einschränkung des Einsatzes als Flammschutzmittel besteht.durch die schwarze Eigenfarbe. Die Funktionsweise basiert auf Intumeszenz: Im Graphit eingelagerte Stoffe, welche unter Wärmeeinwirkung gasförmige Moleküle abspalten und das Ganze expandieren lassen, bewirken die Bildung einer geschäumten Sperrschicht mit einer ähnlichen Wirkung wie bei den Metallhydroxiden.

• Nanofüllstoffe
Diese neue Gruppe von Flammschutzmitteln beschreibt verschiedene Substanzen. Gemeinsam ist diesen Stoffen eine sehr kleine Partikelgrösse, welche sich im Nanometerbereich bewegt. Der Haupteffekt liegt in der Bildung einer Ascheschicht wie früher beschrieben. Durch die speziellen physikalischen Effekte, welche bei dieser Teilegrösse des Additives wirksam werden, kann eine sehr gute Flammschutzwirkung schon bei äusserst geringen Beigabemengen erreicht werden. Dadurch sind die Verarbeitungs- und Materialeigenschaften der flammgeschützten Kabelmaterialien näher beim ursprünglichen Polymer. Allerdings gibt es auch hier Einbussen betreffend der mechanischen Eigenschaften. Die Gruppe der Nanofüllstoffe wird zur Zeit intensiv bearbeitet und es finden laufend Neuentwicklungen den Weg zum Markt. [5]
Dabei findet man nicht nur reine Nanofüllstoff- Flammschutzmittel. Die Neuentwicklungen werden auch mit den bisher bekannten Systemen zusammen eingesetzt.

Abschliessende Bemerkungen
Auch bei Verwendung von „ungiftigen“ Materialien kann im Havariefall eine Gefährdung für Menschen bestehen. So ist schon der Entzug des Luftsauerstoffes durch den Brand, wenn kein Nachschub erfolgt, fatal. Andererseits ist das entstehende Kohlenmonoxid (CO) ein äusserst starkes Atmungsgift. Der Grund liegt darin, dass Kohlenmonoxid und Sauerstoff auf molekularer Basis eine fast identische Baugrösse haben. Somit passt Kohlenmonoxid in das für die im Körper lebensnotwendige Sauerstoffverteilung zuständige Hämoglobin und blockiert so die Zufuhr des Sauerstoffes im Körper. Kohlenmonoxid wird für die Hälfte aller Todesfälle bei Brandfällen verantwortlich gemacht [2].

Kohlendioxid andererseits stellt durch sein spezifisches Gewicht, das grösser ist als bei Sauerstoff, durch dessen Verdrängung eine Gefahr dar. Analysen zur Umweltverträglichkeit (EU) und zu schädlichen Effekten im menschlichen Körper (v.a. in Schweden) haben weitere Einschränkungen des Einsatzes gewisser Typen von Flammschutzmitteln zur Folge. So werden stoffbezogene Beurteilungen erstellt, um Aussagen über die Beeinflussung von Mensch und Umwelt machen zu können.

Die Zukunft liegt darin, Standardkunststoffe wie sie heute für Kabelummantelungen eingesetzt werden, zu tragbaren Kosten mit Flammschutzmaterialien auszurüsten, ohne dass die mechanischen Eigenschaften verschlechtert werden. Bestrebungen in Richtung Nanofüllstoffen scheint ein gangbarer Weg zu sein. Andererseits werden Weiterentwicklungen basierend auf den heutigen Metallhydroxiden es ermöglichen, mit tieferen Füllmengen die Flammschutzeigenschaften zu halten. Aber auf der Verarbeitungsseite und betreffend der mechanischen Eigenschaften weniger Einbussen hinnehmen zu müssen. So wird Aluminiumhydroxid weiterhin das mengenmässig stärkste Flammschutzmittel für Kabelummantelungen sein. Das chemisch verwandte Magnesiumhydroxid wird aufgrund der besseren Temperaturbeständigkeit als Pendant wachsen. Bromierte Systeme haben momentan ein noch sehr starkes Wachstum, werden wie die Halogene aber durch  umweltbedenken in Zukunft gebremst. Phosphor wird durch die geringe Rauchbildung und nichtkorrosiven Rauchgase in verschiedenen Varianten in Zukunft nach den Metallhydroxiden eine starke Stellung einnehmen. Andere Flammschutzsysteme werden als Teilsysteme mit synergistischer Wirkung als Nischenprodukte platziert werden.

Der im Bericht definierte Begriff Brandverhalten ist Gegenstand von Diskussionen. So sind weiterführende Kriterien für die Definition bei verschiedenen Organisationen in Arbeit. So arbeitet auch die EU an einer Neuklassierung und –einordnung von Kabeln. Dies erfolgt in Zusammenarbeit mit europäischen TestInstituten. Hierzu können in Zukunft bestehende Brandtests modifiziert, bzw. neue definiert werden. Ein stärkeres Gewicht wird dabei auf das Brandverhalten gelegt; so sind nicht nur die gesamte Wärme- und Rauchentwicklung wichtig, sondern auch deren Verlauf während des Brandereignisses. Hieraus können neue Anforderungen an Flammschutzmittel und deren Einsatzmöglichkeiten kommen. Ebenfalls Gegenstand von Diskussionen ist die Klassierung von Kabeln für bestimmte Einsatzzwecke. Hier muss genau beobachtet werden, welche Änderungen rechtsgültig werden. Die erhöhten Anforderungen bzw. Einordnung von Kabeltypen in neue Brandklassen kann von grosser Tragweite sein. Dasselbe gilt für Anforderungen in Übersee. Dort wurde der NEC überarbeitet und darin ist für Fiberoptik Kabel der Artikel 770 relevant. Hier zeigt sich aber, dass nicht nur das Installationsmaterial alleine beachtet werden muss, sondern auch der Umgang damit: Verlegte Kabel die keine zukünftige Verwendung haben müssen entfernt werde. Dies als Reaktion auf die Tatsache, dass sich mit der Aufrüstung von Netzwerken eine grosse Menge an brennbarem Material in den Installationen angesammelt haben. Diese mit Kunststoff isolierten Kabel haben keine Funktion mehr, aber stellen ein Sicherheitsrisiko dar. Dies kann auch keine Flammschutzmittel aus dem Weg räumen.

Glossar
Intumeszenz     Aufquellen und Bildung einer Ascheschicht welche
                       als Barriere für die Sauerstoffzufuhr wirkt.
ATO                 Antimontrioxid
BDE                 Bromodiphenyl
CPD                 Construction Products Directive Bauprodukterichtlinie
NEC                 National Electric Code US-Normierung für die Sicherheit
                        elektrischer Geräte
TPP                  Triphenylphosphat
TCP                  Trikerylphosphat
TCEP                Tris(2-chlorethyl) phosphate
TCPP                Tris(2-chlorethyl-1-methylethyl) phosphate
TDCP                Tris(2-chloro-1-(chloromethyl)ethyl) phosphat

Quellenangaben
[1] Direktive 2002/45/EC,
http://europa.eu.int

[2] V. Babrauskas, “Toxicity for the primary gases found in fires”,
www.doctorfire.com

[3] B. Sultan, K. Paul, D. Purser, „Combustion
Atmosphere Toxicity of Polymeric
Materials intended for Internal
Cables“, www.borealisgroup.com

[4] “Gefahrenpotentiale von Kunststoffbränden”,
www.bavaria.de,
Juli 2001

[5] G. Beyer, „Carbon Nanotubes – a new
class of flame retardants for polymers“,
Plastics Additives and Compounding,
Februar 2003

Der Autor
Adrian Peterhans
HUBER+SUHNER AG
FCT/Fiber Optics
9100 Herisau, Schweiz
Leiter R&D
Ausbildung als Dipl. Chem.-Ing. ETH mit SchwerpunktKunststoffe.
10 Jahre Erfahrung mit Kunststoffverarbeitung in den Gebieten Schaum- und Kabelextrusion.

Für weitere Informationen sowie Bildmaterial wenden sie sich bitte an:

Inga Schnaidt
HUBER+SUHNER GmbH
Mehlbeerenstr. 6
D-82024 Taufkirchen

Tel.: +49 89 / 61201 211
Fax: +49 89 / 61201 341                            

E-Mail: isc@hubersuhner.de

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